Musiklexikon

Hoquetus

Hoquetus, /(auch [h]oketus, [h]ochetus, lateinisiert aus dem altfranzösischen hoquet, wahrscheinlich ein das "Schlucken" nachahmendes Wort bezeichnend, aber nach Husmann aus dem arabischen Stammwort al-qat abzuleiten und daher altfranzösisch hoqueter, zerschneiden und Hoquetus als truncatio vocis umschrieben; italienisch ochetto) /nennt man das Durchsetzen zweier Cantus mit Pausen, "so daß, wenn einer pausiert, der andere nicht pausiert und umgekehrt" (nach: Franco von Köln). Er ist eine Art des Discantus, die sich erstmals etwa seit dem Jahre 1200, also in der nachleonidischen Zeit der Notre-Dame-Epoche, in Nordfrankreich in einzelnen Partien von 2st. Klauseln und 3st. Organa zeigt und in Ars antiqua und Ars nova verbreitet war. Beschrieben wird der Hoquetus (discantus truncatus, harmonica resecata, cantus abscisus) mitunter von Franco von Köln (Truncatio est cantus rectis obmissisque vocibus truncae prolatus), Walter Odington, Lambertus und Johannes de Grocheo. /Bezeichnungen des Hoquetus wie Hoquetus duplex, triplex und quadruplex, wie sie die Theoretiker verwenden, sind in Ihrer Bedeutung noch nicht erschlossen, und auch in den 3- und 4st. Kompositionen hoquetieren normalerweise nur 2 Stimmen gegeneinander. /Der Hoquetus contraduplex, wie er von Jacobus von Lüttich genannt wird, bezeichnet wahrscheinlich das Hoquetieren von zwei Stimmen unter einer nicht hoquetierenden. Zu unterscheiden sind der Hoquetus als Stück oder Gattung - nicht textiert, also möglicherweise instrumental, oder textiert - und die Hoquetus-Partie innerhalb eines Satzes. Das In seculum longum ist ein im 13. Jahrhundert besonders bekannter Hoquetus./Jacobus von Lüttich (Speculum musicae) bedauerte 1330, daß die Discantores seiner Zeit den Hoquetus als Cantus antiquus verschmähen, außer daß sie Hoquetus-Partien in Motetten einbinden. Komponisten der Ars nova verwenden die Hoquetus-Technik mit Vorliebe in isorhythmischen Motetten als Gliederungsmittel am Anfang oder am Ende jeder Talea (Machaut, Motette Nr. 19), aber auch im Kantilenensatz (Machaut, Ballade Nr. 1), im 13. Jahrhundert textbezogen auch in der Chasse und besonders in der italienischen Caccia. Machauts 3st. Double Hoquet (Tenor, Hoquetus, Triplum) über dem isorhythmisch angeordneten Tenor David bilden Höhepunkt und Sonderfall der Gattung Hoquetus zugleich.//
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